Eine interessante Begegnung

Als wir aus Deutschland abgereist sind, gab es gefühlt kein anderes Thema als die Flüchtlingskrise. In Israel interessiert das die Menschen weniger, sie haben ihre eigenen Probleme. Die Länder, aus denen die meisten Menschen nach Europa flüchten, sind aber wahrlich nicht weit entfernt. Ganz aus den Augen verloren haben wir das Thema also nicht. Besonders jetzt nicht, da wir auf einen Brasilianer mit einer ganz besonderen Geschichte gestoßen sind. Getroffen haben wir ihn in einem Hostel in Ramallah:

Wenn man in einem Schlafraum mit anderen zuerst fremden Menschen übernachtet, kommt es unweigerlich zu interessanten Begegnungen und Gesprächen. Dieses eine hat aber alle Dimemsionen übertroffen.
Edgar Raoul aus Brasilien hat sein ganzes Leben hinter sich gelassen um die Flüchtlingskrise zu verstehen und den Menscehn zu helfen. Er ist 30 Jahre, alt kommt aus Sao Paulo und hat früher für die UN und Amnesty International als Anwalt für Menschenrecht gearbeitet.

Wie er selbst sagt, hat ihm dieses meist bürokratische Arbeiten  nicht das Gefühl gegeben wirklich zu helfen. Deshalb flog er auf eigene Faust nach Lesbos um dort zuerst als Volontär zu helfen. Dort entschied er dann schließlich mit den Flüchtlingen, 26 Tage lang selbst als einer von ihnen  getarnt, ohne einen einzigen Cent nach Deutschland zu reisen um ihren Fluchtweg kennenzulernen. Absolut beeindrucked was er erzählte: Von unvergesslichen Begegnungen bis hin zur Gewalt, die er von Soldaten erfuhr oder Verhören in denen  man ihm  nicht glaubte, dass sein brasilianischer Pass (diesen benutze er nur im allerschlimmsten Notfall) echt sei.

Niemand von seinen Freunden kann wirklich verstehen was er getan hat. Ich finde es äußerst beeindruckend! Für mich kam er als absolut selbstlos herüber, er versucht einfach überall zu helfen und Situationen selbst zu erleben und nicht aus den Medien zu entnehmen. Das kann manchmal einen großen Unterschied ausmachen. Auserdem ist er sehr intelligent und es machte viel Spaß mit ihm zu diskutieren.
Er ist jetzt hier in Palästina um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren aber auch um weiter in den Gazastreifen zu reisen. Später möchte er nach Jordanien um die dortigen Camps zu besuchen und dann weiter nach Syrien. Weitere Pläne hat er nicht, er sagte zu mir er müsse erstmal schauen ob er dann noch lebe….
Sehr spannend, mal mit so einer Person zu sprechen und auch mal die Sicht eines direkt Beteiligten zu erfahren. Das ist ein Teil, den ich mit von dieser Reise erhofft habe, es geht nicht nur darum jeden Tag einen neuen Touristenhotspot abzuklappern  sondern auch darum, Menschen mit ihren Ansichten zu treffen, sie zu verstehen und sich vielleicht daraus  eine eigene Meinung zu bilden oder die vorhandene zu erweitern.
Edgar war natürlich nicht die einzige interessante Person, die ich hier getroffen habe, aber seine Geschichte ist etwas besonderes und auch für euch Leute da draußen interessant, denn Flüchtling gehen uns alle etwas an! Besonders jetzt, wo einige Parteien versuchen Hass und Ängste zu schüren.
Ich hoffe euch gefällt mein Beitrag, auch wenn er etwas anderes ist, als das pure Runtererzählen von Reisestationen.
Aus Palästina hinter der Mauer schicke ich liebe Grüße an alle!

Links zu Edgar:

https://globalvoices.org/2016/01/29/gv-face-he-left-brazil-to-live-like-a-refugee-in-europe/

http://seinsart-magazin.de/tag-2-willkommen-im-knast/

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