Besatzung erleben…

Wenn man in Israel und Palastina ist sollte man natürlich nicht nur schöne Dinge wie die beeindruckenden Städte, die zahlreichen Nationalparks und den Strand mitnehmen sondern immer daran denken, dass man sich hier in einem Konfliktgebiet befindet. Natürlich merkt man das auch teilweise beim „normalen Reisen“ wenn überall Soldaten stehen und in Taxis häufig Nachrichten laufen. Es gibt aber nicht wenige Menschen, die es schaffen hier her zu reisen ohne die Mauer auch nur erahnen zu können oder das Westjordanland überhaupt zu betreten. Ziemlich schade wie ich finde, denn dort gibt es auch einiges zu sehen und die meisten Leute freuen sich riesig, wenn man vorbeischaut.

Wer die Hardcorevariante von Konflikterleben mitmachen will, sollte auf jedenfall in die Stadt Hebron fahren! Wir waren dort zusammen mit 3 anderen aus unserem Hostel um eine Tour mit einem Palästinanser zu machen.

Mann muss wissen, das ihn Hebron Abraham und seine Söhne zusammen mit ihren jeweiligen Frauen begraben sind. Also ist diese Stadt heilig für Muslime und Juden zugleich, da er der Stammvater beider Religionen ist. Nach einem Massaker an jüdischen Einwohnern 1939 haben diese Hebron verlassen. Später, nachdem Israel das Westjordanland 1967 erobert hatte, wurde neben Hebron eine israelische Siedlung errichtet. Vielen sehr religiösen Menschen ist es einfach wichtig, ihn Hebron zu leben. Das muss man nicht verstehen kann es aber  akzeptieren und grundsatzlich gibt es dagegen meiner Meinung nach auch nichts einzuwenden. Nach und nach kamen auch wieder jüdische Israelis direkt in den Stadtkern um dort zu leben, was zu großen Konflikten führte. Die Situation eskalierte 1994: Ein jüdischer Siedler erschoss während des morgendlichen Gebets in der Moschee mehre muslimische Einwohner der Stadt.

Da die jüdischen Siedlungen der Stadt im Kern liegen (Shuada Street), wurde diese mit Checkpoints versehen und an die 200 arabische Läden in ihr geschlossen. Viele Araber haben den Stadkern verlassen und der Lebensmittelpunkt der Einwohner ist verschwunden. Man kann wirklich sagen, dieser Teil der Stadt gleicht einer Geisterstadt! Kein schönes Gefuhl diese zu durchqueren, da man sich auch vorstellen kann wie schön es hier früher mal gewesen sein könnte.

Es gibt immer noch Palästinanser die in der Straße leben, dabei aber vielen Einschrankungen unterworfen sind: Sie mussen sich an den Checkpoints der Willkulür der Soldaten ergeben, werden nicht selten von Siedlern attackiert, müssen Umwege in Kauf nehmen weil sie Teile der Straße nicht passieren dürfen und häufig wird ihrem Besuch kein Einlass gewährt. Sie  unterstehen sogleich dem Milltarrecht, weil die Strasse als militarisches Speergebiet ausgerufen wurde. All dieser Aufwand nur um die zirka 500 Siedler zu beschützen.

Der Besuch war wirklich sehr eindrücklich, weil wir  sehen konnten, wie unser Guide bisweilen behandelt wurde. Am Checkpoint wurde er gründlich durchsucht während wir einfach nur durchgewunken wurden. Später sollten wir aber auch noch unsere Erfahrung mit dem Militär machen, als wir aus einem fadenscheinigen Grund unsere Pässe abgeben mussten und daran gehindert wurden, weiter zu gehen. Als unser Guide sich beschwerte, konnten wir sehen, wie der Soldat mit ihm redete als wäre er etwas Besseres. Ich habe wirklich noch nie in meinem Leben gesehen, wie jemand so herablassend mit einer anderen Person gesprochen  hat.

Was ich auch jeden Fall noch anmerken möchte, ist das diese Zeilen nicht dazu genutzt werden sollen, den Staat Israel gernerell in ein schlechtes Licht zu rücken. Was ihn Hebron passiert sollte aber kritisiert werden dürfen! Dort herrscht wirklich eine krasse Ausnahmesituation, die auf der Welt wahrscheinlich einmalig ist. Eine kleine Gruppe streng religiöser Menschen schafft es, dass der Staat sie mit bisweilen menschenverachtenden Methoden schützt. Man muss dabei  aber immer sehen, dass beide Seiten zur Eskalation beigetragen haben! Man kann sich einfach nur wünschen, dass alle irgendwann zur Vernunft kommen und in Frieden nebeneinander Leben konnen…

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